Kulturkontor Bad Segeberg

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30 Jahre Kulturkontor - Geburtstagsfeier im KulturHaus REMISE

Podiumsdiskussion mit Patricia König, Hartmut Marsch, Thomas Minnerop, Michael Meier, Kirsten Tödt und Uwe Peters Hartmut Marsch und Henrike Jonak Der Kulturtaler wird verteiilt

Wir danken der Segeberger Zeitung und Detlef Dressen für die Erlaubnis, den Text hier zu veröffentlichen.

Bad Segeberg. Stell dir vor, du willst eine tolle Kulturveranstaltung auf die Beine stellen. Es fehlen aber 100 Euro. In solchen Fällen hilft seit nunmehr 30 Jahren der Verein Kulturkontor in Bad Segeberg. Am Dienstag feierten 50 Vertreter der hiesigen Kulturszene mit Musik, Kabarett und vielen Gesprächen dies in der Remise.
Literatur, Musik, Theater, Malerei, Bildhauerei oder Kabarett – fast alle Sparten waren vertreten. Auf dem Podium erinnerten die Gründungsmitglieder Jutta Gade, Gisela Knütter und Dieter Fiesinger an die Anfänge. Kulturschaffende und Veranstalter hätten in den 1980-er Jahren immer wieder vergeblich Förderanträge bei Stadtverwaltung und Stadtvertretung gestellt, erinnerte Dieter Fiesinger. Daher habe Klaus Knütter mit Unterstützung von Kirchenmusiker Jürgen Frielinghaus angeregt einen Förderverein zu gründen. „Bei der Gründungsveranstaltung waren 101 Besucher anwesend“, berichtete Jutta Gade. Bald war ein erster Veranstaltungskalender auf die Beine gestellt, der bei C.H. Wäser gedruckt wurde. „Die Sitzungseinladungen kamen auf hektographiertem Papier aus dem Spiritusdrucker“, berichtete Fiesinger.
Knütter war es auch, der in den 1990-er Jahren den „jungdynamischen“ Neubürger Frank Schumacher in den Vorstand holte. „Dass er bei der Sparkasse arbeitet, kann nicht schaden“, zitierte Gisela Knütter ihren Mann. Noch heute sitzt mit Oliver Schulz ein Mitarbeiter des Geldinstituts als Kassenwart im Vorstand. „Nur Geld verteilen ist aber eine langweilige Geschichte“, fand Fiesinger. So wurden Aktionen vom Fotowettbewerb bis zum Aktionstag Kultur und zuletzt der Online-Kulturkalender www.bad-segeberg-kultourt.de angeschoben.
Wie schwer es nach wie vor ist, in Bad Segeberg aus Ideen Realitäten werden zu lassen, zeigte eine Diskussionsrunde unter Leitung von Patricia König. Kulturausschussvorsitzende Kirsten Tödt verwies auf die knappe Haushaltslage der Stadt. Gerade mal 5000 Euro habe er in seinem Etat, berichtete Bad Segebergs ehrenamtlicher Kulturbeauftragter Michael Meier. Thomas Minnerop, Leiter des Jugendzentrums, benannte die Konsequenz: „Die meisten Bands kriegen von uns keine Kohle.“
Für Profis, die von ihren Auftritten eine Familie ernähren müssen, sei das keine Option, stellte Patricia König klar. Hiesige Künstler bräuchten zudem Unterstützung bei der Vermarktung. Überhaupt sei Unterstützung und Vernetzung der Kulturschaffenden und Veranstalter immer ein zentrales Anliegen des Kulturkontors gewesen und auch heute noch, sagte Vorsitzende Christine Braun. „Dafür bräuchten wir mehr Geld“, sagte sie und ermunterte, Vereinsmitglied zu werden.
Selbst bei der Feuerwehr geht es nicht ohne Kultur, berichteten Oliver Schultz und Oliver Svensson von der Feuerwehr-Kabarett-Gruppe. Ball und Eisbeinessen seien ohne Gesang, Theater, Tanz, Kabarett und Bühnenbau der Kameraden nicht mehr vorstellbar. „Ohne Kultur würde uns etwas fehlen, nicht nur als Unterhaltung, sondern auch wohltuend für unsere Seele“, stellte auch Bürgermeister Dieter Schönfeld fest. Doch Dr. Jürgen Weber waren nette Worte nicht genug. „Wir hatten in den 90er -Jahren noch einen Hauptamtlichen für die Kultur“, erinnerte er. Dies wäre für die mittlerweile gewachsene Stadt wieder sinnvoll. „Den Straßenbau würde man ja auch nicht in ehrenamtliche Hände geben.“
Michael Meier bedauerte, dass auch bei Bauentscheidung zu wenig an die Kultur gedacht wird. So seien bei der Sanierung der Promenade keine Frischwasser-, Abwasser- und Stromleitungen verlegt worden. Diese Leitungen müssten nun teuer für jede Veranstaltung neu verlegt werden.
Ohne Geld werde die Stadt es in Zukunft schwer haben, kulturell attraktiv zu bleiben, waren sich die Anwesenden einig. „Wertschätzung drückt sich auch in Geld aus“, sagte Hartmut Marsch. „Meine Haare werden mir auch nicht aus Spaß geschnitten.“
Letztlich profitiere die Stadt von Aktionen wie der Grünzone in der Hamburger Straße, sagte Organisator Uwe Peters „Wir betreiben Stadtmarketing.“ dsn